Vergleicht man die Einwirkungen auf Großküchenfußböden und -wänden mit denen in herkömmlichen Nassbereichen stellt man fest, dass es sich hierbei um besonders vielfältige und hohe Belastungen handelt.

Nach DIN 18534-1 ist die Abdichtung in gewerblich genutzten Küchen aus hygienischen Gründen direkt unterhalb der Nutzschicht anzuordnen. Die Flächen werden nach der Norm in der Regel in die höchst mögliche Wassereinwirkungsklasse W3-I eingeteilt.

Doch neben der sehr hohen Wassereinwirkung sind es vor allem die chemischen, thermischen und mechanischen Einwirkungen aus Reinigung und Nutzung, die der Fuge, dem Belag und der Abdichtung zusetzen können. Werden diese Punkte bei der Planung und der Ausführung beachtet, so handelt es sich bei einem Verbundsystem, bestehend aus Abdichtung und Fliesenbelag, um eine wirtschaftliche und sichere Ausführungsvariante.

Untergrund


Als Abdichtungsuntergrund kommen in einer Großküche, sowohl an der Wand als auch am Boden, ausschließlich feuchtigkeitsunempfindliche Materialien in Frage. Im Hinblick auf den Zementestrich empfiehlt es sich außerdem, auf schnell abbindende, schwundarme Schnellestrichbinder zu setzen. Diese bieten aufgrund ihrer Erhärtungseigenschaften, neben der verkürzten Bauzeit, weitere Vorteile, wie beispielsweise eine höhere Festigkeit, weniger Bewegungsfugen sowie die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Estrichdicken arbeiten zu können.

  • Prüfzeugnisse


    Für das Abdichtungssystem ist ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) oder eine ETA-Bewertung nach ETAG 022 erforderlich. Diese Prüfungen umfassen neben dem eigentlichen Abdichtungsprodukt auch eine eventuell notwendige, spezielle Grundierung sowie Formteile (Dichtbänder, -ecken und -manschetten) und Fliesenkleber. Das Verbundsystem für die Großküche muss ein Prüfzeugnis für die Beanspruchungsklasse C, getestet nach den entsprechenden Prüfgrundsätzen des Deutschen Instituts für Bautechnik (PG-AIV-F), aufweisen.

Anwendungsgebiete


Sopro PU-FlächenDicht Wand/Boden PU-FD 570/571 hat sich für diesen Anwendungsfall als Abdichtungsprodukt bewährt. Diese flüssig zu verarbeitende Polyurethanabdichtung ist stets mindestens zweilagig aufzutragen. Der Untergrund ist vorher mit Sopro Epoxi-Grundierung EPG 522 vorzubereiten und mit Sopro Quarzsand fein QS 507 abzusanden. Die Gesamttrockenschichtdicke muss mind. 1,0 mm betragen. Für einen sicheren Verbund zum Belag ist die letzte Abdichtungsschicht ebenfalls abzusanden, diesmal mit Sopro Quarzsand grob QS 511. Eine Alternative zur Polyurethanabdichtung stellt die Bahnenabdichtung dar.

  • Chemisch beständige, bahnenförmige Verbundabdichtungen sind nach DIN 18534 bis zur Wassereinwirkungsklasse W2-I zugelassen. Somit können sie zum Beispiel in Aufwärmküchen eingebaut werden, in denen eine geringe Anzahl an Speisen zubereitet wird und die deshalb nicht mit allzu hoher Intensität gereinigt werden müssen.

Möglich ist auch, die prinzipiell geringer beanspruchten Wandflächen mit einer bahnenförmigen und den Boden mit einer reaktionsharzbasierten Verbundabdichtung zu versehen. Außerdem bietet zum Beispiel die neue Sopro AEB® Abdichtungs- und EntkopplungsBahn HD 958 hier ein noch höheres Maß an Sicherheit.

Bahnenabdichtungen sind insbesondere aufgrund ihrer, gegenüber den flüssig zu verarbeitenden Produkten, geringeren Oberflächenzugfestigkeit im sehr hoch belasteten Bereich nicht zugelassen. Die Sopro AEB® Abdichtungs- und EntkopplungsBahn HD 958 schließt diese Lücke. Verklebt mit den entsprechenden, im System geprüften Produkten, beispielsweise dem Sopro Fixier- und DichtKleber FDK 415, weist sie deutlich höhere Haftzugwerte als Standardbahnenabdichtung auf.

Bei W3-I ist der Einsatz von Bahnenabdichtungen, aufgrund der derzeitigen Normenlage, dennoch nur als Sonderkonstruktion möglich.

Für die Verlegung des keramischen Oberbelags kommen je nach Erfordernis zementäre (Sopro´s No.1 Flexkleber 400) oder reaktionsharzbasierte (Sopro DünnBettEpoxi DBE 500) Dünnbettmörtel in Frage. Wichtig ist eine möglichst hohlraum- arme Verlegung. Diese gibt Bakterien und Keimen keinen Raum, sich ansammeln und vermehren zu können. Außerdem wird die Gefahr von Schäden im Oberbelag durch Hohllagen abgemindert.

Die Verfugung kann mit Sopro TitecFuge® breit TFb erfolgen. Hierbei handelt es sich um eine hochfeste, zementäre Industriefuge, die speziell als Alternative zu den Expoxidharzmörteln für den hoch beanspruchten Bereich entwickelt wurde.

Die Sopro TitecFuge® breit TFb weist deutlich höhere Druck- und Abriebfestigkeiten sowie eine höhere Chemikalienbeständigkeit als übliche zementäre Fugenmörtel auf.

Ist die zu erwartende chemische Belastung, zum Beispiel durch Säuren, höher als üblich, kann auch ein Reaktionsharzfugenmörtel wie etwa Siopro FugenEpoxi plus eingesetzt werden.

  • Undichtigkeiten vermeiden



    Treten in Großküchen Undichtigkeiten auf, so sind diese in der Regel nicht auf den Flächenaufbau, sondern eher auf fehlerhafte Anschlüsse zurückzuführen.

    Neben der Planung und der eigentlichen Ausführung ist hier auch die Abstimmung und Koordination zwischen dem Gewerk des Installateurs und dem des Fliesenlegers immens wichtig. Beim Setzen von Bodenabläufen ist darauf zu achten, dass diese die richtige Höhe aufweisen. damit das Wasser ungehindert ablaufen kann. Außerdem muss der Ablauf einen umlaufenden, mindestens 5 cm breiten, besandeten Flansch aufweisen, an dem die Abdichtung fachgerecht angeschlossen werden kann.

Bei Rinnen muss zwischen thermisch beanspruchten und thermisch nicht beanspruchten Rinnen unter- schieden werden. Handelt es sich um eine so genannte Kaltrinne, die nicht sonderlich thermisch beansprucht wird, so ist die Abdichtung ebenfalls an einem umlaufenden Flansch anzuschließen. Wird eine Rinne mit oberem Andichtflansch angeordnet, beispielsweise unter einer Kipppfanne, und somit regelmäßig durch heiße Flüssigkeiten und Fette beansprucht, besteht die Gefahr, dass es auf Grund der Ausdehnung der Rinne und insbesondere des Flansches zu Schäden an der Abdichtung kommt.

Hier ist es ratsam, eine so genannte Heißrinne einzusetzen, bei der die Abdichtung unter der Rinne hindurchgeführt und nicht direkt am oberen Flansch, sondern am darunter liegenden Ablaufkörper angeschlossen wird. Generell ist es sinnvoll, den Estrich im Bereich von Einläufen und Rinnen auszusparen. 

Nach dem Setzen der Einbauteile (und bei einer thermisch beanspruchten Heißrinne nach den Abdichtungsarbeiten) muss der Hohlraum zwischen Einbauteile und Estrich mit einem schwindfreien und kapillardichten Verguss verfüllt werden.

Dieser Verguss lässt sich auf der Baustelle aus Sopro BauHarz BH 869, Sopro Quarzsand grob QS 511 und Sopro Kristallquarzsand KQS 607 (Mischungsverhältnis 1:1:1 nach Raumteilen) herstellen. Aufgrund seiner Fließfähigkeit bleiben so unter der Rinne keine Hohlräume zurück.

  • Reinigen der Flächen



    Zuletzt sei noch auf die fachgerechte und auf den Belag abgestimmte Reinigung hingewiesen. Zu hoch dosierte Reinigungsmittel schaden auf Dauer jedem Bodenbelag und führen zu typischen Schadensbildern. 

    Die Reinigungsempfehlungen der Hersteller sowie die technischen Merkblätter inkl. der chemischen Beständigkeit der verwendeten Abdichtungs- und Fugenmaterialien bieten hier eine gute Grundlage, die es zu beachten gilt.

Fazit

Für den Boden in einer Großküche gibt es noch weitaus mehr Planungsparameter, wie zum Beispiel die Gefälleausbildung im Belag und Details, wie Gerätesockel oder Anschlüsse an Kühlzellen.

Ebenso muss geklärt werden, ob unterhalb des Estrichs eine weitere Abdichtungsebene erforderlich ist oder ob der Estrich schwimmend, auf Trennlage oder im Verbund eingebaut werden soll.

Der Sopro Planer 9.0 sowie die im Juni 2018 erschienene VdF-Richtlinie "Fußböden in der Großküche" bieten hier eine gute Planungsgrundlage.

Für konkrete Fragen bei der Ausführung und Planung stehen Ihnen außerdem die Abdichtungsexperten der Sopro Bauchemie GmbH gerne zur Verfügung.

 

 

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