Was war zuerst da? Der Stein oder das Wasser? Naturstein-Expertenseminar der Sopro Bauchemie GmbH

17.12.2021

Warum wird Volvic-Lava immer noch nach alter Tradition abgebaut, also weitgehend ohne maschinellen Eingriff und ohne Sprengung?

Auf diese und andere Fragen konnten die Teilnehmer des Sopro Naturstein-Expertenseminars, das die Sopro GmbH vom 8. bis 10. September 2021 in Volvic, im Zentralmassiv Frankreich, durchführte, Antworten finden.

Zum Einstieg in das Seminar gab Fr. Dr. Ritter- Höll, Diplom-Geologin, von der IHK öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturstein, mit Ihrem Vortrag über den Vulkanismus in Europa einen kartografischen Überblick der Vulkangebiete und ging dann auf den Puy de Dome, den „Hausberg“ bei Volvic ein, der 1400 Meter hoch ist.

Hier hatte sich das Magma – unter Druck und Hitze geschmolzene Gesteinsmassen- ausgedehnt, welches sich explosionsartig nach oben aus der Erde entlud, sich als Lava über die Ebene ergoss und als Hügel ablagerte. Entstanden ist ein rauer, grauer Stein, ein Trachyt mit vielen Poren, die ursprünglich Gasblasen im Magma waren.

Anhand von Fotos präsentierte Fr. Dr. Ritter-Höll ein Stadtbild mit dunklen Fensterumrahmungen, Treppen, Brüstungen oder einer ganzen Kathedrale in Clermont-Ferrand, wo dieser dunkle, harte und säurefeste Naturstein verbaut wurde. Spannend waren auch die Ausführungen zu den noch nicht erloschenen Vulkanen, Stromboli, Ätna und speziell dem Vesuv, der nur wenige Kilometer von der 3 Mio.- Einwohner Stadt Neapel entfernt liegt und dessen Ausbruch man „bald“ erwarte mit dann großen Folgen. Doch der Vesuv gehört mit zu den am besten überwachten Vulkanen weltweit.

Der Bedarf an Natursteinen/Werksteinen sei im letzten Jahr weiter gestiegen, startete Sebastian Kammerer, Leiter der Anwendungstechnik der Sopro GmbH seinen Vortrag über die „Verlegtechniken von Natursteinen im Innen- und Außenbereich“

Kammerer stellte die Vor- und Nachteile der Dick- und Dünnbettverlegung bei der Verarbeitung mit Natursteinen gegenüber. Hierbei machte er deutlich, dass Natursteine mit speziell abgestimmten und geeigneten Mörtelsystemen zu verlegen seien. Die Werksteine sollten dabei nur wenig Feuchtigkeit ausgesetzt werden, da es je nach Gesteinsart zu Verschüsselungen und Verfärbungen kommen könne. Um dies zu vermeiden, stellte Kammerer verschiedene Sopro Fliesenkleber und Verlegemörtel vor. Abschließend präsentierte Kammerer wie der Volvic-Stein auf die verschiedenen Verlegetechniken und -materialien reagiert hatte.

Volvic-Lava sei ein eher unproblematischer Stein, dennoch empfiehlt Kammerer, eine Verschüsselungsprüfung durch die Sopro im Vorfeld der Bauumsetzung durchführen zu lassen. Kammer und Ritter-Höll rieten beide dazu, den Naturstein Volvic-Lava mit dem Bauherren im Vorfeld zu besprechen, um ihn vorab auf die großen Poren und Luftblasen in dem rauen Stein hinzuweisen. Hier sei klarzustellen, dass diese zu den typischen Eigenschaften des Steins gehörten und keinen Qualitätsmangel darstellten. Weiterhin sei zu klären, ob der Bauherr die Poren später geschliffen oder befüllt haben will oder nicht. Entsprechend können verschiedene Materialien genutzt werden, was zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen der Farben führe.

Nach der theoretischen Einführung ging es ans Erleben des Volvic-Lava. Im Steinbruch und Werk von SAS Mallet führte uns Thierry Riche, Betriebsleiter der SAS Mallet. Mallet ist seit 1907 ein Familienunternehmen und heute eine Filiale der „Groupe Pierredeplan.“ Mallet hat 20 Mitarbeiter und insgesamt 4 Steinbrüche mit einem Gesamtumsatz von 2 Mio € p.a. Die gesamte Gruppe hat einen Umsatz von 25 Mio. p.a.

Seit dem 12. Jahrhundert wird Volvic Lava abgebaut. Heute liefert und exportiert Mallet Material für die Industrie/Chemie, vor allem wegen der hohen Säurebeständigkeit der Volvic Lava wie z. B. Dekantierbecken, aber auch Küchenarbeits- und Terrassenplatten, ebenso Theken, Bartische und Waschtische mit Emaille in die ganze Welt.

Der Abbau des Volvic Lava geschieht hier noch traditionell mit Hammer, Meißel, Keilen und Spitzhacke. Der Einsatz von Maschinen sei verboten. Die Region Park Naturel des Volcans d’Auvergne wurde zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt und hat alle Auflagen zu erfüllen, um das Wasser aus Volvic rein zu halten.

Im Werk von Mallet stellt Thierry Riche dann allerdings ziemlich moderne Maschinen zur Verarbeitung vor. Hier werden die Blöcke in 4 Schritten verarbeitet:

1. Zuerst werden die Blöcke in Form gebracht und mit einem Seil geschnitten

2. Dann werden die Blöcke im Gatter in mehrere Teile zersägt, zu Platten.

3. Die Platten werden vorbereitet und erfahren verschiedene Polierarbeiten, 6 verschieden Stufen sind möglich, die sich später farblich und von der Struktur sehr unterscheiden.

4. Zum Schluss erfolgt die Feinkonfektionierung.

Ein anschließender Spaziergang durch die „Grotte de la pierres“ auf dem Lavastrom des Vulkans Nugère gab Einblick in den früheren unterirdischen Abbau des Volvic Lava im 13. Jahrhundert.

Abschließend besuchte die Gruppe am nächsten Tag noch den abgetragenen Vulkan Lemptégy. Mit einem Zug ging es hinein in die Mitte des Vulkans. Verschiedenfarbige Vulkanschichten türmten sich vor der Gruppe auf. Deutlich zu erkennen war an den roten und dunklen Gesteinsschichten, dass es zwei Vulkane gegeben hatte, die nacheinander ausgebrochen waren und sich überlagert hatten. Dank neuster 4D Technik des Ausstellungskinos konnte die Gruppe tief in die Entstehung der Vulkane und deren Ausbruch eintauchen und mit allen Sinnen erleben.

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