„Eine Fuge ist ein Spalt oder Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen oder Materialien.“

So einfach beschreibt es Wikipedia. Aber so einfach ist das bei Belägen aus Fliesen und Platten dann doch nicht. Denn hier stellen die Fugen auch ein ganz wesentliches Gestaltungselement dar. Zudem ist es notwendig, den Einsatz der verschiedenen Fugenmörtel stets gezielt auf den jeweiligen Anwendungsfall und die damit einhergehenden Beanspruchungen abzustimmen.

Zwei Funktionen in einem

Betrachtet man Fugen in Belägen aus Fliesen und Platten rein technisch, so kommen diesen zwei Funktionen zu: Sie dienen dem Ausgleich von Fertigungstoleranzen des Belagsmaterials und sie kompensieren Spannungssituationen in der Gesamtbaukonstruktion. Sie werden vor dem Hintergrund der Nutzbarkeit und der Hygiene mit festen Mörteln oder elastischen Füllstoffen verschlossen.

Mit der Einteilung der Fugen und deren Verschluss werden auch ganz wesentliche optische Effekte erzielt, die sich unmittelbar auf die Ästhetik und Gestaltung von Flächen auswirken. Schon die Fugenbreite wirkt: Eine schmale Fuge schafft einen flächigen Eindruck, breite Fugen wirken robust und rustikal. Die Anordnung von Belägen aus Fliesen und Platten hat daher auch entscheidenden Einfluss auf das Raumgefühl. Unterschiedliche Verlegemuster lassen Räumlichkeiten kleiner oder größer, breiter oder schmaler erscheinen. Ebenso lassen sich außergewöhnliche Akzente setzen.

Welche Fliesen für welchen Raum?

Nicht nur die Farbe, sondern auch die Form von Fliesen und Platten beeinflussen das Gesamtbild eines Raumes. Mit großen Fliesen in hellen Farben lassen sich Fläche und Raum optisch vergrößern. Möchte man dagegen einen kleineren Raum geräumiger wirken lassen, achtet man idealerweise auf ein schmales Fugenbild.

Große Räume kann man mit kontrastreichen Fliesenkombinationen ansprechend gestalten. Wandfliesen im Querformat eignen sich gut für schmale, langgestreckte Räume. In vertikaler Anordnung dienen sie außerdem zum optischen „Strecken“ von Bädern mit niedriger Deckenhöhe. Außergewöhnliche Gestaltungsmöglichkeiten bieten darüber hinaus Mosaike aus Naturstein, Glas, Metall und Keramik oder natürlich auch Sechs- und Achteck-Formate.

Die Kreuzfuge (auch Fugenschnitt)

Eine ganz klassische Variante stellt die Verlegung eines Belags auf „Kreuzfuge“ dar. Aus (verlege-) technischer Sicht bietet die Verlegung auf Kreuzfuge Vorteile in Bezug auf die Möglichkeiten zum Spannungsabbau. Durch die geradlinige und gleichmäßige Anordnung entsteht zudem eine harmonische und ruhige Raumatmosphäre – speziell bei großformatigen und quadratischen Fliesen und Platten.

Ein Belag mit Kreuzfuge schafft klare Strukturen, kleinteilige Keramik betont Bereiche und schafft Orientierung. (rechts)

Halbverband

Ein weiteres klassisches Verlegemuster ist der „Halbverband“. Sein Ursprung und seine Bezeichnung sind vermutlich auf einen Mauerwerksverband zurückzuführen. Hierbei werden die Fliesen und Platten jeweils um eine Halblänge versetzt angeordnet. Trotz dieser Unregelmäßigkeit entsteht ein stimmiges, symmetrisches Gesamtbild. Besonders geeignet ist der Halbverband für rechteckige Formate. Er kann dabei maßgebend die Besonderheiten von außergewöhnlichen Designs hervorheben. Insbesondere bei Anwendungen im Bodenbereich ist aber darauf zu achten, dass die gewählten Fliesen auch die erforderliche Ebenflächigkeit bieten, die notwendig ist, um dieses Verlegemuster umsetzen zu können. Besonders anfällig ist der Halbverband für speziell im Streiflicht deutlich sichtbare Unebenheiten.

Klassischer Halbverband an einer Fassade (rechts)

Drittel- und Viertelverband

Die Verlegemuster „Drittel- und Viertelverband“ sind vergleichbar mit dem Halbverband, wobei der Versatz hier jeweils ein Drittel bzw. ein Viertel der Kantenlänge beträgt. Der Versatz kann hierbei schräg oder senkrecht erfolgen. Es entstehen attraktive und abwechslungsreiche Belagsmuster, welche in sich schon eine ganz eigene Wirkung entfalten. Gut zur Geltung kommen diese Verlegemuster insbesondere bei kleinformatigen Fliesen. Aber auch für ein großes Badezimmer eignen sich Drittel- und Viertelverbände, da diese den Raum optisch nicht zusätzlich strecken.

Drittelverband am Küchenboden (rechts)

Bildquelle: © Jonastone

Die Diagonale

Die vorgenannten Verbandsmuster können natürlich alle auch in einer diagonalen Variante Anwendung finden. Speziell quadratische Formate können so mehr Geltung erhalten. Da sich der menschliche Blick an den Fugen orientiert und diesen zur Seite folgt, gewinnen speziell schmale und lange Flächen mit der diagonalen Anordnung optisch an Breite.

Die Diagonalverlegung betont die Mittelflächen (rechts)

Bildquelle: © Villeroy&Boch

"Römischer Verband"

Der „Römische Verband“ ist ein unregelmäßig erscheinendes Verlegemuster für Fliesen und Platten – bestehend aus mindestens drei unterschiedlichen Formaten. Meist wird hierfür ein Grundelement aus einer bestimmten Anzahl quadratischer oder rechteckiger Platten unterschiedlicher Abmessungen mit abgestimmten Kantenverhältnissen verwendet. Für größere Flächen wird das Grundelement wiederholt. Der „Römische Verband“ eignet sich besonders für größere Flächen im Bodenbereich.

Klassischer Römischer Verband (rechts)

Bildquelle: © Jonastone

"Wilder Verband"

Beim sogenannten „Wilden Verband“ ist die Anordnung der Fliesen sehr frei und folgt keinem System. In der Regel findet der „Wilde Verband“ bei Fliesen in Holzoptik Anwendung, da die Anordnung von Dielen auf dem Boden nachempfunden wird. Auch bei Bahnenwaren aus Naturwerkstein wird auf den „Wilden Verband“ zurückgegriffen, da diese von Haus aus keine festen Kantenlängen aufweisen. Dabei wird das abgetrennte Endstück der zuletzt gelegten Reihe als Anfangsstück der nächsten Reihe verwendet, was den Verschnitt deutlich reduziert.

Wilder Verband (rechts)

Polygonalbelag

Ein sehr lebendiger Belag lässt sich mit sogenannten „Polygonalplatten“ erzielen. Polygonalplatten sind unregelmäßig, meist natürlich geformte Platten und bestehen in der Regel aus Naturwerkstein. Aber auch Mosaikbeläge, die beispielsweise aus Flusskieseln hergestellt werden, ermöglichen diese Verlegeart. Polygonalmuster präsentieren sich optisch dominant und damit gestalterisch sehr prägend.

Polygonalbelag (rechts)

Fischgrätenmuster

Das „Fischgrätenmuster“ findet vor allem bei Holzimitaten und Naturwerksteinböden Verwendung. Allerdings ist zu beachten, dass nicht jede Fliese hierfür – vor dem Hintergrund der Formatgebung – geeignet ist. Mit einem „Fischgrätenmuster“ lassen sich besonders bei sehr schmalen Bädern oder Küchen die jeweiligen Flächen optisch verbreitern. Bei Anwendung an Wandflächen ist diese Musterform optisch sehr dominant, so dass hier unter Umständen ein sehr unruhiges Bild entstehen kann.

Fischgrätenmuster (rechts)

Farbe der Fuge

Dreimal das gleiche rote Glasmosaik von Bärwolf, dreimal das gleiche Natursteinmosaik von Bärwolf, nur unterschiedlich verfugt (hell, dunkel und farbtongleich). Die Wahl der Fugenfarbe hat große Auswirkung auf die optische Anmutung der Fliese.

Zwei Funktionen in einem

Neben den verwendeten Fliesen und Platten selbst, bestimmen selbstverständlich die Fugen den Eindruck von Flächen und Räumen maßgeblich mit. In Abhängigkeit der gewählten Farbe können die Fugen mit ihrer Colorierung den Fliesenbelag farblich kontrastieren und/oder betonen. Sie können das Belagsbild aber auch optisch vereinheitlichen und so eine ruhigere Raumstimmung schaffen. Die Erfahrung zeigt leider, dass sich für die Bemusterung von Fliesen und Platten meist ausreichend Zeit genommen wird, während man der späteren Fugenfarbe nur wenig Aufmerksamkeit widmet. Dabei ist es für die Optik eines Belags sehr entscheidend, ob der Fugenmörtel eine ähnliche, eine

 


hellere oder eine dunklere Farbtongebung als das ausgewählte Belagsmaterial aus Keramik oder Naturstein hat. Je nach Ausprägung des Kontrastes kann sich das Fugenbild deutlich hervorheben oder unaufdringlich im Hintergrund bleiben, um so die Fliese wirken zu lassen. Im ungünstigen Fall wirkt eine falsch gewählte Fugenfarbe sogar negativ auf die Optik der Fliesen aus: Die Wirkung der Fliesen geht verloren, durch den Simultankontrast kommt es zu ungewünschten Farbüberlagerungen. Letztendlich kann so der gesamte positive Flächeneindruck verloren gehen. Das Anlegen einer Musterfläche ist daher unbedingt zu empfehlen.

Bitte beachten Sie: Fugenfarben wirken immer im Kontrast zur umgebenden Platte. Und die menschliche Wahrnehmung lässt sich leicht täuschen. Die Empfindung von Helligkeitsunterschieden ist sehr subjektiv. Helligkeit und Farbe wirken immer im optischen Kontrast. Bei dunklen Fliesen erscheint der gleiche Fugenmörtel heller als bei hellen Fliesen.

Verzerrte Wahrnehmung von Helligkeiten: Unser Gehirn greift auf Erfahrungen zurück. Links erscheint Grau bei dunkler Umgebung heller, in heller Umgebung dagegen dunkler. Dabei besitzt der Balken überall den gleichen Grauwert. Kaum zu glauben? Schneiden Sie den Balken auf der benachbarten Seite aus und blättern Sie um. Sie werden sehen: Es stimmt!

Ein breites Spektrum an Farben verfügbar!

In aller Regel werden Fugen in Weiß- oder Grautönen gehalten. Dabei hat sich das angebotene Spektrum unterschiedlichster Fugenfarben in den letzten Jahren immer weiter verbreitet und so der Marktvielfalt an Fliesenarten angepasst. Es reicht mittlerweile von Weiß bis Schwarz, mit unterschiedlichsten Abstufungen in den Grautönen. Selbst satte Farben wie Signalrot und Tiefblau sind lieferbar. Auch im Bereich der Braun- und Erdtöne besteht ein breites, speziell auf die vielen auf dem Markt befindlichen Holzimitate abgestimmtes Farbspektrum.

Das gleichmäßigere und damit harmonischere Bild entsteht durch die Wahl einer Fugenfarbe aus demselben Farbspektrum, nach Möglichkeit sogar „Ton in Ton“. Eine weiße Fliese wird weiß oder hellgrau verfugt, braune Holzimitatfliesen in entsprechenden Brauntönen. Der Fugenmörtel verliert dabei ein Stück weit seinen gestaltenden Charakter, die Flächen wirken gleichmäßiger. Und es gibt noch einen wichtigen Nebeneffekt hierbei: Durch das unbetonte Fugenbild wirken die Fliesen und Platten optisch größer, mit entsprechender Wirkung auf die Geräumigkeit und Großzügigkeit der jeweiligen Räumlichkeiten.

 

Was ist nun die „richtige“ Fugenfarbe?

Zunächst muss klargestellt werden: Den einen „richtigen“ Ton gibt es nicht! Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen und seine ganz individuellen Vorlieben. Daher sollte man sich die Frage stellen, welche Intention man mit der Wahl der Fugenfarbe verfolgt: Möchte man den Belag betonen und deswegen kontrastieren oder soll ein eher gleichmäßiges, harmonisiertes Gesamtbild entstehen.

Zum optisch unterstreichenden Einsatz des Fugenmörtels verwendet man Farben, die sich vom Farbton der Fliese abheben. So können dunkle Fliesen und Platten mit einem hellen Fugenmörtel verfugt werden oder weiße Fliesen durch eine markante Fuge, z.B. in Signalrot, Basalt oder Anthrazit fast wie von einem Rahmen eingefasst aussehen.

Der besondere Eyecatcher: Fugen mit Glitter! Zur Erzielung eines Glitzereffektes durch Lichtreflexe können Mörtel wie Sopro DF 10® DesignFuge Flex, Sopro FlexFuge FL plus oder das neue Sopro DFX DesignFugenEpoxi mit Sopro Glitter veredelt werden. Diesen gibt es in den Farben Gold, Silber und neuerdings auch in Kupfer. Mit entsprechender Beleuchtung können verfugte Beläge fantastisch in Szene gesetzt werden. Und natürlich kann man die Zugaben des Sopro Glitters auch kombinieren.

Zur Veredelung von Fugen bietet Sopro Bauchemie Glitter in den Farbtönen Gold, Silber und Kupfer an.

Auf diese Weise wird das Fugenbild zu einem bestimmenden Element im Raum/auf der Fläche, während die Fliese optisch etwas in den Hintergrund rückt. Gleichzeitig belebt dieses Element eine Räumlichkeit enorm, was dann jedoch stets auch bei der weiteren Einrichtung Berücksichtigung finden sollte, um einen unruhigen Eindruck zu vermeiden. 

Praktische Erwägungen 

Selbstverständlich gibt es auch praktische Aspekte, welche es im Rahmen der Wahl einer Farbe abzuwägen gilt. Insbesondere ist das Ausbilden einer Patina zu nennen. Auch wenn die Fugenmörtel so weit wie möglich reinigungsfreundlich eingestellt werden, so lässt sich – speziell bei Bodenbelägen – nicht verhindern, dass sich hier eine Patina auflegt.

Im Allgemeinen ist eine solche Patina grau, so dass sie auf grauen Fugenmörteln nicht so deutlich sichtbar ist. Intensivfarbene Fugenmörtel wie Schwarz, Blau, Rot oder natürlich auch Weiß sind schon wesentlich empfindlicher. Weit deutlicher zeigt sich eine Patina auch an mit den oben beschriebenen Glittereffekten ausgestatteten Fugenmörteln. Dieser Aspekt sollte in die Farbtonabwägungen unbedingt mit einbezogen werden.

Erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Epoxidharzmörtel der neuesten Generation

Mit dem neuen Sopro DFX DesignFugenEpoxi bringt Sopro Bauchemie einen Epoxidharzfugenmörtel und -klebstoff der neuesten Generation auf den Markt.

Das Produkt besticht nicht nur durch sein Top Handling, welches durch extra leichtes und müheloses Mischen, Verfugen und Abwaschen die Arbeit des Verarbeiters maßgeblich erleichtert. Auch lässt sich mit ihm ein besonders feines, gleichmäßiges und farbbrillantes Fugenbild in 20 Farbtönen erzielen. Und dies bei extrem hoher mechanischer und chemischer Belastbarkeit sowie hoher Flankenhaftung. Die glatte Oberfläche macht die Fugen zudem besonders pflegeleicht - speziell in Bereichen, die mit Feuchtigkeit beaufschlagt sind.

Sopro DFX DesignFugenEpoxi eignet sich somit hervorragend zum Einsatz im privaten Badezimmer, aber auch in Wellness-Landschaften und im gewerblichen oder industriellen Bereich. Es erweitert somit die gestalterischen Möglichkeiten, kann mit Sopro Glitter veredelt werden und macht die Fuge zu sehr viel mehr als zu einem Lückenfüller.

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