„Nassräume in Gebäuden fachgerecht planen und bauen“ - unter diesem Thema stand das 23. Wiesbadener Planer- und Sachverständigenseminar. Die eintägige Veranstaltung, die Ende Januar im Rahmen der Sopro ProfiAkademie stattfand, bot in ihrer gekonnten Kombination von Theorie und Praxis ein breites Themenspektrum: Von A wie neue Abdichtungsnorm bis zu Z wie den Zukunftstrends im Lebensraum Bad.

Ob Badezimmer, Wellnessbereich oder Großküche: Regelwerksänderungen, speziell im Bereich der Innenraum-Abdichtungen, Schnittstellen mit beteiligten Gewerken und neue Bauteilentwicklungen machen Nassräume aller Art zu einem Dauerbrenner einer jeden Baustelle. Das Sopro Wiesbadener Planer- und Sachverständigenseminar „Nassräume in Gebäuden fachgerecht planen und bauen“ hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, zentrale Aspekte rund um den Themenkreis Nassräume in einer Reihe von Fachvorträgen zu beleuchten und gemeinsam mit namhaften Experten zu diskutieren - so Dipl.-Ing. Mario Sommer, Leiter der Sopro Anwendungstechnik und Objektberatung, bei der Begrüßung der Seminarteilnehmer. Die Sopro Bauchemie ist in diesem Bereich gut aufgestellt und verfügt nicht nur über das gesamte Portfolio an einschlägigen Produkten, sondern auch über einen großen, bei vielen Projekten gewonnenen Erfahrungsschatz an technischem Know how.

Empfehlungen aus 10 Jahren Hotelbetreuung
Trotz all der anstehenden technischen und (normungs-) rechtlichen Fachthemen: Am Beginn des Seminars stand zunächst ein Blick in die tägliche Praxis. Roger Gapinski, Technischer Direktor bei der Immobilienabteilung der IPM Immobilien- und Projektmanagement GmbH in Köln, wollte mit seinem „Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Bauherren und Betreibers von Hotelanlagen“ die Zuhörer „motivieren, sensibilisieren und inspirieren“. Seine Empfehlungen aus zehn Jahren Hotelbetreuung reichten von einem durchdachten Teambuilding und einer offenen Kommunikation bis hin zur guten Dokumentation. Rechtsstreite sollte man möglichst vermeiden. Eine Möglichkeit diesen vorzubeugen, ist die Verwendung zugelassener Gesamtsysteme, etwa auf dem Gebiet der Abdichtungsmaßnahmen. Er schloss mit dem Appell auch künftig schöne und vor allem „mängelfreie“ Hotels zu bauen; denn „Deutschland braucht neue Hotels“ – so Roger Gapinski.

Verbundabdichtungen künftig DIN-geregelt
Schon zu Beginn des Seminars hatte Mario Sommer konstatiert, dass die neue Innenraum-Abdichtungsnorm für viel Bewegung im Markt sorgt, auch wenn sie wohl erst zu Jahresende 2017 gültig wird. Worum es dabei genau geht, dies machte Dipl.-Ing. (FH) Björn Rosenau, Bereichsleiter der Sopro Planer- und Objektberatung deutlich. Sein Blick richtete sich auf die „Einführung der DIN 18 534“ speziell auf die „Abdichtung in Badezimmern, Wellnessanlagen und Großküchen“. Detailliert sprach er dabei die wichtigen Aspekte an - von der Auswahl der Abdichtungsart und den unterschiedlichen Formen der Abdichtung im Verbund über die neuen Wassereinwirkungsklassen bis hin zu den Anforderungen an den Abdichtungsuntergrund. Auch er legte dabei ein besonderes Augenmerk auf wichtige Detaillösungen wie Übergänge vom Boden zur Wand, Sockelanschlüsse aber auch Anschlüsse an Kühlhäuser u. ä. Ein weiterer Schwerpunkt waren die richtige Konstruktion und Abdichtung von thermisch belasteten und nicht belasteten Rinnen und Bodenabläufen. Nicht zu vergessen, wichtige Details wie Gefälleausbildung, Abdichtung im Bereich von Sockeln und Türen oder Rohrdurchdringungen und Bodenabläufen.

Dem Fußboden „auf den Grund gegangen“
Mit seinem Vortrag zum Thema „Estriche in Badezimmern – Calciumsulfat- vs. Zementestrich“ ging me. Jochen Henrich, M. Eng. von der Sopro Objektberatung etwas weg von der Abdichtung und vielmehr „dem Fußboden auf den Grund“. Dass einhergehend mit der Novellierung der DIN 18 195 Calciumsulfatestriche in mäßig mit Feuchtigkeit beanspruchten Bereichen erneut Einzug halten, sieht der Referent durchaus kritisch, weil „eine Feuchtigkeitsbeständigkeit des Binders nicht gegeben und der Trocknungsverlauf im Vergleich zu zementären Produkten nachteilig zu sehen ist“. Ebenfalls kritisch zu sehen ist seiner Ansicht nach die Aufnahme der CM-Messung und der entsprechenden Restfeuchtwerte in die DIN 18 560-1, da hier der Bezug zu den verschiedenen Oberbelägen fehlt. Zur Verlegung von Fliesen und Platten auf Estrichen empfiehlt es sich daher, weiterhin die Vorgaben der Schnittstellenkoordination bzw. der Merkblätter der verschiedenen Verbände einzuhalten; denn, so Henrich, „das Risiko für die Einhaltung der Werte liegt im Endeffekt beim Planer bzw. Verlegebetrieb“. Abschließend wies er noch darauf hin, dass Estrichzusatzmittel aus einem Normalzement keinen Schnellzement machen. „Eine zielsichere Trocknung von Estrichen ist unter Termindruck häufig nur mit ternären Bindemittelsystemen zu erreichen, weil hier der Einfluss der Umgebungsbedingungen zu vernachlässigen ist“ – so Jochen Henrich.

Ein Blick in die Zukunft
Bei all den technischen und (normen-) rechtlichen Fragen kamen aber auch die gerade im Badezimmer so wichtigen gestalterischen Aspekte nicht zu kurz. Unter dem Titel „Spieglein, Spieglein an der Wand“ wagte der Universal Design Experte Michael Schlenke, Inhaber von The Caretakers e.K. Kaarst, einen Blick in die Zukunft. Seine „Zukunftstrends im Bad“ leitet er dabei aus vier ganz zentralen Entwicklungen ab: der zunehmend alternden Bevölkerung (Aging Society), des immer knapper und teurer werdenden Wohnraums und dem damit verbundenen „Mikro-Wohnens (Small Spaces), der fortschreitenden Digitalisierung sowie Designprinzipien, die dafür sorgen, dass Produkte für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten nützlich und marktfähig sind (Universal Design). Berücksichtigt man all diese Faktoren, dann, so der Referent, „gelingt der Eintritt in den Wachstumsmarkt Healthcare“. Dass es gerade in dieser Richtung bereits „Lösungen für‘s Badezimmer von heute und morgen“ gibt, dies zeigte anschließend Thimo Franke von der Villeroy & Boch AG aus Mettlach. Auch er blickte dabei speziell auf die „Badinnovationen für die Aging Society“ und machte deutlich, dass Villeroy & Boch eine starke Marke gerade im Bereich Health & Care ist. Den Zuhörern versicherte er: „Wir belegen die für Sie wichtigen Themen Hygiene, Barrierefreiheit und Autonomie für die Aging Society“.

Anschaulicher und informativer Praxisblock
Perfekt abgerundet wurde das eintägige Seminar mit einem Praxisblock, bei dem die Experten von der Sopro Anwendungstechnik nochmals einen großen Teil der zuvor angesprochenen Themen aufgriffen. Moderiert von Mario Sommer wurden dabei zunächst die einzelnen Arbeitsschritte bei der Verarbeitung von Verbundabdichtungsstoffen gezeigt – speziell auch im Bereich von Duschwannen. Weiter ging es dann mit der Vorführung der Schichtdickenkontrolle an Abdichtungen. Und last but not least zeigten die Sopro Vorführmeister wie Verbundabdichtungen fachgerecht saniert werden.